Ich habe einen Bericht über die Krankenhausseelsorge  im Elisbeth-Hospital gefunden. Interessant was sich so geändert hat 


Es ist Sonntag,

10.48 Uhr. Ich habe mich nach dem Gottesdienst in der kath. Krankenhauskapelle auf den Weg gemacht, den Kranken auf den Stationen die Hl. Kommunion zu bringen.

Station A5.

Ich  habe eine Schwester in meiner Begleitung. Im Krankenzimmer eine ältere Frau. Ich weiß  nicht, welche Krankheit sie hat. Woran sie leidet.  Ich begrüße sie.  Ein kurzer Blick auf den Nachttisch. Ein paar Blumen, ein Bild mit kleinen Kindern. Ihre Enkelkinder so vermute ich.

„Wir wollen zusammen das Vater unser beten“ –

Wir beten zusammen,  die Kranke, die Schwester, auch eine weitere Frau auf dem Zimmer betet mit.  Das Gebet kennen alle Christen, es verbindet.

Als wir zu  „und erlöse uns von dem Bösen“  kommen, stockt die Kranke und ich  sehe  ein paar Tränen in den  Augen.  An dieser Stelle  fangen viele Patientinnen und Patienten an zu weinen.  Ihr Krankheit, ihr Aufenthalt im Krankenhaus, das ist „das Böse“. Die Schwestern und Ärzte geben sich Mühe,  erklären, versuchen die Krankheit und die Behandlung durchschaubar zu machen,  aber ein Unbehagen bleibt.

Meist kommt das alles über Nacht, die Schmerzen, die Diagnose eines Arztes,  eventuell sogar des Notarztes. Dann der Weg ins Krankenhaus,  Ängste  kommen auf, machen sich breit, werden größer und bedrohlicher.

Fragen kommen auf, wie bedrohlich ist meine Krankheit, sehr bedrohlich ?. Ist mit dem Schlimmsten zu rechnen?  Was ist zu Hause, die Angehörigen, Kinder, der Ehepartner ? Kommen sie zurecht?

Ich hatte gar keine Zeit mich auf  den Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, es ging alles so schnell. Ich verstehe nicht alles, was der Arzt mir erklärt hat. Wie wirkt das Medikament? Muss ich operiert werden?

Krankenhaus – das ist trotz aller Hilfe und Mühe der Mitarbeiter der beiden Häuser für die Betroffenen eine Ausnahmesituation.   Hier geht es  häufig um die Existenz – um Existenzängste.

 

In dieser Situation will die Krankenhausseelsorge  Beistand geben. Sie ist da, wenn man sie braucht,  sie versucht  mit ihren Mitteln und Zeichen,  Hoffnungen  zu geben, Zuspruch, Trost und Hilfe.

 

Ich reiche der Kranken die Kommunion. Ein leichtes Lächeln. Jesus Christus – der Bruder  aller Menschen – ist hier eingekehrt.  Ein kurzes Gebt. Der Krankensegen und der  Wunsch „eines gesegnetes Sonntags“  Die Kranke lächelt und   erwidert den Abschiedsgruss.

Einige Kranke sehe ich nur einmal. Andere begleite ich  mit dem Kommunionempfang über mehrere  Wochen.  Als ich den Raum verlasse frage ich mich, ob ich genug getan habe.  Hat mein Besuch Trost gespendet, Hoffnungszeichen gesetzt ?

Mein Besuch ist nur ein ganz kleiner Teil der Krankenhausseelsorge.

 

Ca. 60 Helfer zum Austeilen der Kommunion und des Abendmahls gibt es in beiden Häusern, Frauen und  Männer aus den Ibbenbürener Pfarrgemeinden, die dieses Amt übernommen haben.  Im Wechsel  gehen sie  sonntags auf die Stationen und besuchen die Kranken.

 

Den größten Anteil an der Arbeit aber haben die Hauptamtlichen der Seelsorge  Schwester Michaela,  Pfarrer Klemens Niermann und Pfarrer Jürgen Nass.

Sie versuchen die Kranken durch den Aufenthalt im Krankenhaus zu begleiten.

 

 

  1. Durch die allgemeinen Angebote :

Gottesdienste,  Morgen-  und Abendgebete

 

Sonntags um 9.00 Uhr finden in beiden Krankenhäusern  ein evangelischer und  katholischer Gottesdienst statt.  Beide Kapellen sind  für alle Besucher offen. Kranke, die gehen können,  sind immer herzlich eingeladen.  Ein feste kleine Gemeinde hat sich im Laufe der letzten Jahre gebildet. Im Elisabeth Hospital sind es  ca. 150 Gläubige, die am Gottesdienst teilnehmen. Im Rahmen des Gottesdienst kann auch das Sakrament der Krankensalbung  empfangen werden. ( oder abends auf dem Zimmer )  „Liebe Kranke, sie brauchen für dieses Sakrament nicht todkrank zu sein.  Jesus will Sie in Ihrer Not und Ihrer Krankheit begleiten.“ ( Klemens Niermann)

Nach jedem Gottesdienst Austeilung der Hl. Kommunion und  am dritten  Sonntag im Monat Austeilung des Abendmahls.

 

In der Woche  feiern wir folgende Gottesdienste :

Hl. Messe

mittwochs : 16.30  Uhr in  der Kapelle des „Von-Bodelschwingh-Krankenhauses“

freitags     : 16.30  Uhr in der  Kapelle des Elisabeth-Hospitals  mit Rosenkranzgebet

 

evangelische Andacht

mittwochs    um    18.30  in der Kapelle des  Elisabeth-Hospitals

 

Jeden Morgen um 9.00 Uhr über  das Fernsehen Kanal 4  ein  Morgengebet „  In den Tag“

Und abends um 19.30 Uhr ökumenisches Abendgebet über die Kopfhörer.

 

Über die Woche und den Tag begleitet unsere Krankenhausseelsorge  die Menschen  in ihrer Krankheit.  Ein  Angebot an alle Kranken, ein Angebot der  “Kapelle mit Herz- mitten in der Stadt“   – mitten im Krankenhaus,.

 

2. Begleitung durch persönliche Angebote  für Kranke und Angehörige  :

 

Viele Kranke  nutzen das Angebot der  Seelsorge zum Gespräch in  für sie bedrohlichen Situationen: vor Operationen, bei wichtigen Entscheidungen. Sie suchen  Trost und Hilfe und Ansprechpartner bei negativen Befunden.

Oder ein Kranker möchte einfach  den  Frieden mit sich, den Angehörigen, der Welt

und  Frieden mit  Gott machen.

Ärzte suchen die Hilfe der Seelsorger bei wichtigen Gesprächen mit Kranken, denen  sie eine

negative  Diagnose stellen müssen.

Angehörige suchen Rat  beim nahenden Tod eines  lieben Menschen.  Hier hält die Seelsorge z.B. auch einen guten Kontakt zum örtlichen Hospiz – Verein.

Auch in der Todesstunde, bei plötzlichem Tod und Unfällen lassen die  Krankenhausseelsorgerin und Seelsorger die Menschen in ihrer Not und Verzweiflung nicht allein und begleiten den Kranken auf seiner letzten Station des Lebens.

Häufig sind wichtige Entscheidungen und Ratschläge nötig, der Verstorbene war aus den Kirchen ausgetreten und  fand erst im Tod zu seinem Gott zurück.

Die Angehörigen werden oft  begleitet  beim Abschiednehmen von einem Verstorbenen, wenn sie es wünschen.

Besonderen  Beachtung richtet die Krankenhausseelsorge auf die Würdigen Bestattung der Früh- und Totgeburten und die Begleitung der trauernden Eltern. Für die Gräber der so früh verstorbenen Kinder ist auf dem Hauptfriedhof an der Ledder Str. eine besondere Abteilung  eingerichtet worden.

Wir sind auch Ansprechpartner  bei den hiesigen Bestattungsinstituten für alle Beerdigungen für die niemand zuständig ist, besonders für Obdachlose oder Religionslose, ohne das nach der Konfession der Religionszugehörigkeit gefragt wird. In Ibbenbüren sollen alle Toten würdevoll bestattet werden.

 

3. Begleitung der Mitarbeiter  

Krankenhausseelsorge  umfasst das gesamte System Krankenhaus als Lebens und Arbeitsraum. Deshalb bietet sie Hilfe  und Begleitung auch für die Mitarbeiter an, die in besonderer weise mit schweren Seiten des Lebens konfrontiert sind  Das geschieht durch seelsorgliche  Gespräche, Beratung und Supervision, Arbeit an ethischen Fragestellungen, Fortbildung  ( z.B. in der Sterbebegleitung ), ebenso wie durch Trauungen Taufen und Beerdigungen.  

Insgesamt Aufgaben, die die volle Kraft der Krankenhausseelsorger erfordern.

 

Einer besonderen Gruppe gilt noch die Aufmerksamkeit der Krankenhausseelsorge : Oft werden  sie von durchreisenden  Obdachlosen besucht. Ein Raum unter der Kapelle im Elisabeth Hospital  ist für sie zum Übernachten eingerichtet worden. Zudem können Obdachlose, die im Krankenhaus behandelt wurden  nach ihrer Entlassung  so lange bei der Seesorge übernachten, bis sie wieder gesund und kräftige genug sind, um als „Durchreisen“ von Ort zu Ort zu gegen.

 

In allen Notlagen, in Beratungen und in der Suche nach Geborgenheit,  Bei Rat und Trostsuche versucht die  Krankenhausseelsorge die Menschen zu begleiten.  Sie möchte Ansprechpartner sein. Für sie gilt das Wort und der Auftrag unseres Herrn:

 

„Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das

  Himmelreich.

 

Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die ihr jetzt traurig seid, denn ihr werdet lachen“.

 

Und an einer anderen Stelle in Matthäus Evangelium,  heisst es:

 

( Jesus spricht über die Endzeit )

„Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her,

die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz,

das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war

durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und

obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;

ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und

ihr habt mich besucht;

Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich

hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu

trinken gegeben?

Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen,

oder nackt und dir Kleidung gegeben?

Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu

dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr

für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“

 

 

„Sich kümmern“  und sorgen um Kranke, Alte, Sterbende ist eine wichtige Aufgabe der  Hauptamtlichen  in der Krankenhausseelsorge, aber ganz sicher auch eine wichtige Aufgabe  bei allen  Christen und gläubigen Menschen in unserer Gesellschaft, die nach diesem  Leitspruch  leben können  und Kranke im Krankenhaus oder zu Hause besuchen oder sie betreuen.

 

Sie erreichen die Krankenhausseelsorge  ( Sr. Michaela,  Pfr. Klemens Niermann, Pfr. Jürgen Nass)  über die Pforte oder  über die Schwestern oder  die Ärzte.

 

 

Hans-Jürgen Himstedt